Freitag, 26. März 2010

Lästige Werbeanrufe: Bälle für den Sportunterricht


Sie kennen das sicherlich auch: lästige Telefonwerbung, Cold Calls, wie es in der Fachsprache heißt, also Kaltakquise, unerwünschter Telefonterror eben. Da will man Ihnen Zeitschriften-Abos aufdrängen, Sie mit Glücksspielgewinnen locken oder man verspricht Ihnen kostenloses Telefonieren und billigen Strom - kurzum: man verspricht Ihnen den Himmel auf Erden. Natürlich will man eine kleine Gegenleistung dafür: Ihr Geld.

Doch nicht nur Produkte und Dienstleistungen drängeln sich durch den Telefonhörer in Ihr Ohr, sondern auch Spendenaufrufe. Das ist besonders heikel. Eine Bitte für eine kleine Spende für Schulkinder in der Schule Ihrer Stadt: wer wird denn da so hartherzig sein und "Nein" sagen? Vielleicht kennen Sie die besagte Schule sogar.

Doch warum ruft die Schule nicht selbst an, wenn sie neue Bälle für den Sportunterricht benötigt?

Ich habe heute mal wieder so einen Bettelanruf erhalten. Die im Display angezeigte Rufnummer lautet 070312631762. Dahinter verbirgt sich die "Gesellschaft für Sportförderung in Europa". Und so funktioniert es:

Ein freundlicher Call-Center-Mitarbeiter erklärt Ihnen, dass eine Schule in Ihrem Ort (Name der Schule wird genannt) neue Bälle für den Sportunterricht benötigt. Und ob Sie sich nicht großzügig erweisen wollen. Wer möchte denn schon, dass Kinder öde in der Turnhalle herumsitzen müssen, weil die Sportgeräte hinüber sind? Und macht es nicht ein gutes Gefühl, wenn die Nachbarn wissen, dass Sie für die lokale Schule ein paar Euro haben springen lassen?

Wenn Sie sich bei der Schule erkundigen wird man Ihnen bestätigen, dass die "Gesellschaft für Sportförderung in Europa" im Namen der Schule die Anrufe tätigt. Also alles seriös?

Üblicherweise fragen die Werbeeintreiber per Fax bei den Schulen nach, ob diese Interesse an neuen Bällen haben. Hat eigentlich fast jede Schule - zumal, wenn man dafür nichts tun muss und die Bälle umsonst bekommt. Wird also von der Schulleitung eine "Bestellung" genehmigt, fängt das Call-Center an, Bürgerinnen und Bürger anzurufen. Ist eine bestimmte Summe zusammen, werden davon tatsächlich Bälle gekauft und an die Schule geliefert.
Das ist auch der Grund, warum alle Schulen, in deren Namen angerufen wird, stets Bälle benötigen. Warum braucht nicht eine Schule mal ein Reck, die andere einen neuen Turnhallenboden und die dritte neue Tornetze? Warum brauchen alle Bälle?
Weil die Telefonwerbegesellschaft eben hauptsächlich Bälle im Programm hat. 50 Euro kostet so ein Ball. Sie haben richtig gelesen: 50 Euro! Für einen Ball! Einen!
Was sind denn das für Bälle?

Auf der Seite www.antipsam.de wird diesbezüglich ein Verdacht geäußert: Die Gesellschaft kauft alle Sportartikel bei nur einer Firma, die eng mit dem e.V. verbunden ist. Wenn man recherchiert, stößt man auf gleiche Nachnamen und ähnliche Postleitzahlen. Da importiert also jemand billige Sportartikel aus China und verkauft sie dann teuer an "Sponsoren".

Auch anderswo melden sich kritische Stimmen; so urteilt ein Wormser Schuldezernent, die Vorgehensweise der Telefon-Terror-Gesellschaft bewege sich in einer rechtlichen Grauzone.

Ähnlich funktioniert übrigens das Geldeintreiben in Zusammenhang mit einem Buch zur Verkehrserziehung für Kinder. Wie diese Masche funktioniert, können Sie hier nachlesen. Da finden Sie auch den Bericht einer ehemaligen Mitarbeiterin, die hier unter dem Pseudonym "Schneekönigin" Einblicke in den Arbeitsalltag dieser Call-Center gewährt.

Mich ärgert solche telefonische Belästigung gleich doppelt: zum einen, weil ich bei meiner Arbeit ungefragt gestört werde und zum zweiten, weil Sozialsponsoring durch solch dubiosen Machenschaften in Misskredit geraten. Denn natürlich gibt es zugleich soziale Organisationen, die dringend Geld gebrauchen können.

Übrigens: wer eine Fritz-Box hat kann Rufnummern sofort und kostenlos sperren. Das geht so: Öffnen Sie Ihren Browser (Internet Explorer, Mozilla Firefox, Safari etc.) und geben Sie die Adresse fritz.box ein.
Dann klicken SIe links auf "Einstellungen", "Telefonie", "Rufsperre". Klicken Sie auf "Neue Rufsperre" und geben Sie die Nummer der Werbefirma ein, die Sie genervt hat. Fortan kommen Anrufe dieser Nummer nicht mehr durch. Sie können die Rufsperre jederzeit wieder deaktivieren.

Mehr zum Thema lästige Werbeanrufe gibt es hier:

Eine lustige Seite, bei der der Spieß umgedreht wird. Hören Sie sich unbedingt die Telefonate an (zu finden unter "Anrufe"). Hier werden unerwünschte Werbe-Akquisiteure aufs Glatteis geführt.

Telefonpaul geht ran, wenn Sie nicht rangehen möchten. Geben Sie z.B. bei Gewinnspielen die Nummer von Telefonpaul an.

Hier geht es nicht nur um E-Mail-Spam, sondern auch um unerwünschte Telefonwerbung; Telefonspam sozusagen.

Sie wurden von einer Firma angerufen und wollen wissen, wer es war? Hier können Sie gezielt danach suchen und auch lesen, welche Erfahrungen andere mit dieser Telefonnummer hatten. Gut, um beispielsweise die Seriosität eines Call-Centers zu überprüfen.



Welche Erfahrung haben Sie mit unerwünschter Telefonwerbung? Wie reagieren Sie? Haben Sie Tipps für andere?
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